Montag, 16. Mai 2016

Auf Frühlingspfaden und durch Frühlingsgärten - oder: Von dem, was bleibt, welches die Dichter stiften...

Der Pfingsttag kennt keinen Abend,
denn seine Sonne, die Liebe,
geht nie unter.


Theodor Fontane








Über allem ist es nun Pfingsten geworden und der Frühling, der sehnlich Erwartete, ist weit vorangeschritten. Traumverloren habe ich ihn durchwandert, mir freie Stunden erschlichen, ihn in mich aufgesogen, zeitweise durch den Fieberschleier einer hartnäckig anhänglichen Frühjahrsgrippe, andere Tage wieder mit fast unerträglich wachen Sinnen, reizüberflutet bis zur Erschöpfung, unterwegs auf lange nicht gegangenen Pfaden, immer wieder auf der Suche nach fast Verlorenem.


Pfad an der Neckarschlinge Hessigheim/Baden-Württemberg




Entlang der Neckarschlinge Hessigheim

Gelbe Windröschen an der Hessigheimer Neckarschlinge






Pfad entlang der Hessigheimer Felsengärten

Der Neckar - Schicksalsfluss und lieber Begleiter, an welcher Stelle seiner Reise immer ich auf ihn treffe...




Hessigheimer Felsengärten über dem Neckar






Magnolie in Blüte im Kreuzgang-Garten/Kloster Maulbronn
Rasten an Orten der Stille -
wieder vereint mit den Dichtern...


Kloster Maulbronn: Brunnenhaus im Kreuzgang

Im Maulbronner Kreuzgang

Verzaubert in der Jugend grünem Tale

Steh ich am moosigen Säulenschaft gelehnt
Und horche, wie in seiner grünen Schale
Der Brunnen klingend die Gewölbe dehnt.










Kloster Maulbronn: Magnolienblütezeit im Kreuzgang-Garten
Und alles ist so schön und still geblieben.
Nur ich ward älter, und die Leidenschaft,
Der Seele dunkler Quell in Haß und Lieben,
Strömt nicht mehr in der alten wilden Kraft.










Kloster Maulbronn: Magnolienblütezeit im Kreuzgang-Garten
Hier ward mein erster Jugendtraum zunichte.
An schlecht verheilter Wunde litt ich lang.
Nun liegt er fern und ward zum Traumgesichte
Und wird in guter Stunde zum Gesang.








Kloster Maulbronn: Magnolienblütezeit im Kreuzgang-Garten
Die Seele, die nach Ewigkeit begehrte,
Trägt nun Vergänglichkeit als liebe Last
Und ist auf der erspürten Jugendfährte
Noch einmal still und ohne Groll zu Gast.

Nun singet, Wasser, tief in eurer Schale.
Mir ward das Leben längst ein flüchtig Kleid.
Nun tummle, Jugend, dich in meinem Tale
nd labe Dich am Traum der Ewigkeit!

Hermann Hesse





Kirschbaum in Blüte bei Kleingartach/Baden-Württemberg


Kirschblüten auf der Streuobstwiese
Schwelgen in Blütenträumen -
im Naturrefugium Streuobstwiese, von denen es in meiner Gegend zum Glück noch einige gibt...











Birnbäume in Blüte



Birnenblüte auf der Streuobstwiese















Wiesenschaumkraut

Tulpen im Garten meiner Mama
Unterwegs durch Frühlingsgärten:

Im Garten meiner Mama...













Weiß-gelbe Narzisse im Garten meiner Mama



Zier-Johannisbeere im Garten meiner Mama















Tulpen im Garten meiner Mama




Goldlack im Garten meiner Mama















Tulpen im Garten meiner Mama


Tulpenblütezeit im Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof/
Weinheim an der Bergstraße
Tulpen - wer kann sich ihrer Farbenpracht entziehen?

Aus einem Besuch im Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof in Weinheim an der Bergstraße...















Tulpenblütezeit im Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof/
Weinheim an der Bergstraße


Tulpenblütezeit im Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof/
Weinheim an der Bergstraße

















Tulpenblütezeit im Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof/
Weinheim an der Bergstraße

Tulpenblütezeit im Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof/
Weinheim an der Bergstraße





















Tulpenblütezeit im Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof/
Weinheim an der Bergstraße



Tulpenblüte im Blühenden Barock Ludwigsburg
... und hier an meinem besonderen Lieblingsort, dem Blühenden Barock in Ludwigsburg...













Tulpenblüte im Blühenden Barock Ludwigsburg


Tulpenblüte im Blühenden Barock Ludwigsburg

















Sumpfdotterblume










Burgruine Blankenhorn bei Eibensbach
Unterwegs im Naturpark Stromberg-Heuchelberg auf den Spuren eines Minnesängers...


Burgruine Blankenhorn bei Eibensbach








Burgruine Blankenhorn bei Eibensbach
Rîfe und anehanc
die heide hat betwungen,
daz ir liehter schîn
nâch jâmer ist gestalt,
und der vogel sanc,
die wol mit fröiden sungen,
die sint nû geswîn.
dar zuo klag ich den walt:
der ist unbekleit.
dannoch kan si füegen
mir herter herzeleit
diu wazzer in krüegen
von dem brunnen treit.
nâch der stêt mîn gedanc...


 





Burgruine Blankenhorn bei Eibensbach


Übersetzung:

Der Reif mit seinem Gefolge
hat die Heide bezwungen,
so dass ihr strahlender Glanz
nun traurig aussieht,
und der Sang der Vögel,
die so fröhlich sangen,
die sind nun verstummt.
Auch über den Wald klage ich,
der steht kahl.
Dennoch kann die,
die Wasser in Krügen
vom Brunnen holt,
mir größeres Herzeleid zufügen.
Auf sie richtet sich mein Sinnen...

Gottfried von Neuffen
(Minnesänger und einstiger Burgherr auf Burg Blankenhorn)



An der Rotmurg im Nordschwarzwald
 

An der Rotmurg im Nordschwarzwald
Und so sind es oft altvertraute, wiederentdeckte Orte, die uns von Neuem zu bezaubern vermögen - wie der Schwarzwald...













Flussgestein der Rotmurg im Nordschwarzwald


Rotes Gestein vulkanischen Ursprungs an der Rotmurg/
Nordschwarzwald

















Kleine Spiegel der Sonne: Huflattich in Blüte




Maitag

Still! - Ich hör, wie an Geländen
leicht der Wind vorüberhüpft,
wie die Sonne Strahlenenden
an Syringendolden knüpft.

Stille rings. Nur ein geblähter
Frosch hält eine Mückenjagd,
und ein Käfer schwimmt im Äther,
ein lebendiger Smaragd.

Im Geäst spinnt Silberrhomben
Mutter Spinne Zoll um Zoll,
und von Blütenhekatomben
hat die Welt die Hände voll.

Rainer Maria Rilke



















Und so habe ich heute vor allem die Bilder und die Dichter sprechen lassen.

Denn, wie wir wissen:

Was bleibet aber, stiften die Dichter.

Friedrich Hölderlin (Aus: Andenken)







In diesem Sinne noch schöne Pfingst- und Spätfrühlingstage - und einen guten Start in den Sommer!

Alles Liebe

Betty

Sonntag, 27. März 2016

Die Kraft der Worte - oder: Statt einer Osterbotschaft...

Du darfst nicht warten, bis Gott zu dir geht
und sagt: Ich bin.
Ein Gott, der seine Stärke eingesteht,
hat keinen Sinn.
Da musst du wissen, dass dich Gott durchweht
seit Anbeginn,
und wenn dein Herz dir glüht und nichts verrät,
dann schafft er drin.

Rainer Maria Rilke





Und wieder steht Ostern an, jenes symbolträchtige Fest, das uns drängt, ihm eine Botschaft zu entreißen und diese in die Welt hinauszurufen. Ich tue mich zunehmend schwer mit Botschaften. Ich gestehe, ich habe keine.




Ich schaue nunmehr auf ein halbes Jahrhundert an Lebensjahren zurück und auf ebenso viele Osterfeste. Manche habe ich sehr bewusst und intensiv erlebt, andere zogen fast unbemerkt an mir vorüber. Manche standen für Aufbruch und Neubeginn, manche ließen mich enttäuscht und leer zurück. Die christliche Botschaft bedeutete mir zu manchen Zeiten sehr viel, zu anderen erreichte sie mich gar nicht. Und die Frage, woran ich glaube, löst in mir mit den Jahren nicht weniger, sondern mehr Befangenheit aus.

Denn alles, was in den Bereich des Glaubens fällt, liegt ja naturgemäß außerhalb unseres Wissens, und kann daher keinem Richtig oder Falsch unterliegen. Und schon gar keinen Zwängen und Dogmen. Und ebensowenig ist es möglich, je wirkliche "Glaubensgewissheit" zu erlangen. Denn es ist diese ein Widerspruch in sich. Die Erkenntnis um die Endlichkeit unseres irdischen Lebens lässt uns wider besseres Wissen immer wieder nach ihr suchen, und je mehr wir nach ihr greifen, desto mehr entzieht sie sich. Und ich fürchte, es muss dies genau so sein.

Echter und unaufgesetzter Glaube muss sich immer wieder neu in Frage stellen lassen, verlangt nach steter Neuausrichtung an unserer Lebenssituation, neu gewonnenen Eindrücken und Erkenntnissen. Und er lebt vom Respekt vor dem Glauben des Anderen - und dem einzigartigen, individuellen Weg, den Gott, so wir an ihn glauben, mit jedem einzelnen Menschen geht.









Ich habe keine Botschaft. Noch fühle ich mich zu weisen Worten berufen, nur weil ich bereits fünfzig Jahre auf diesem ebenso wunderbaren wie verwundbaren Planeten herumwandere. Ich bin noch immer ein Kind, das über Blumenwiesen und durch Frühlingswälder läuft. Und ziehe zuweilen Trost aus den Worten: 




"Wahrlich ich sage euch: Es sei denn, daß ihr umkehret und werdet wie die Kinder..."
(Evangelium des Matthäus, Kapitel 18, Vers 3)







Was ich von der christlichen Osterbotschaft dennoch über die Jahre behalten habe und schätze?

Die konsequente Botschaft der Versöhnung und des Friedens, die ich dazu angelegt sehe, jahrhundertelanges Missverstandenwerden zu überdauern.

Die Stärke, die sich im vermeintlich Schwachen, im Verletzlichen und Zerbrechlichen zeigt.

Und nicht zuletzt - die Kraft der Worte:


"Christus ist auferstanden! -
Er ist wahrhaftig auferstanden!"


In diesem Sinne wünsche ich Euch Lieben
frohe und gesegntete Oster- und Frühlingstage!

Herzliche Grüße

Betty