Sonntag, 6. November 2016

Herbe Zeit - oder: Vom zu tief hängenden Himmel...

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält. 


Rainer Maria Rilke


 

Der Herbst - er setzt uns zu, macht uns einen Strich durch manche Rechnung, lässt Hoffnungen verblassen. Sein Leuchten tröstet nur für kurze Zeit. Ich hab ihm nichts entgegenzusetzen. Lasse mich mit den Blättern fallen. Leiste es mir manchmal, liegen zu bleiben. Stehe wieder auf, wann es mir passt, wenn es niemand mehr erwartet. Leiste mir den Luxus, Erwartungen nicht immer zu erfüllen. Zu viel zu wollen. Zu scheitern. Mein inneres Navigationssystem neu auszurichten. Weiterzugehen. Neue Spuren zu verfolgen. Aufzubrechen zu neuen Horizonten. Nehme ungefragt. Gebe absichtslos.




 


Stelle mich in Frage. Wer bin ich? Schriftstellerin, die ich sein will? Mit einer gewissen Neigung zum Wenig-Schreiben. Paradoxerweise. Aus einem immerwährenden inneren Grauen vor Schreiben als Geschwätz. Von dem es zu viel gibt. Zu dem ich nicht beitragen will. Und es natürlich dennoch tue. Weil immer nur ganz wenige dagegen gefeit waren und sind.

Und doch sagen und schreiben mir hier und da Menschen, dass sie meine Beiträge schätzen und Kraft aus ihnen ziehen. Darüber freue ich mich. Solches herunterspielen hieße, es gering zu schätzen. Das sei mir fern - schon aus Respekt vor meinen Leserinnen und Lesern! Deshalb all jenen einfach: Danke!!!


Lyrik wollte ich immer den ganz Großen überlassen, hab mich selten daran versucht. Auch das Folgende entstand als Prosatext, fast in einem Zug hingeschrieben. Bis ich beim näheren Hinsehen befand, es könnte wohl auch als Gedicht durchgehen. Und dann sähe es so aus:

 

Herbst - Herbe Zeit.
Ecken, Kanten, Spitzen. 

Angekratzt, angegangen
Vielleicht auch -
Angefressen; das auch, ja!

Die Stirn wundgestoßen
Am zu tief hängenden
Bleiernen Himmel.

Welkende Illusionen.
Weg damit - alles muss raus!
Es wird den nahenden
Frost nicht überstehn.

Und die Knospen, die wir -
Möglicherweise ungebrochen -
In einen neuen Frühling
Hinüber retten
Brauchen Raum
Sich zu entfalten.



In diesem Sinne - kommt mir gut durch den November!

Betty

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